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Aufruf des Aktionsbündnis gegen Antisemitismus in den Räumen der K9.

»Wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr: Politik, Recht, Ökonomie – wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen« Jakob Augstein.

Anbei dokumentieren wir ein Flugblatt des Aktionsbündnis gegen Antisemitismus in den Räumen der K9, dass uns zu geschickt wurde. Wir können uns dem dort gesagten nur anschließen.

Antisemitischen Veranstaltungen entgegen treten – 25. November ab 14:30h vor der Kinzigstraße 9 (K9) in Berlin Friedrichshain | U5 Samariterstraße

Gegen jeden Antisemitismus & Antizionismus – immer und überall.

Am Sonntag den 25ten November laden diverse Gruppen zu einer Vernetzung von gefangenen-solidarischen Gruppen und Personen in die Räumlichkeit des Hausprojektes in der Kinzigstraße 9. Um näheres zu erfahren muss man des Arabischen mächtig sein. Dann ist zu lesen, dass ein Symposium über George Abdullah und „all unsere mutigen Familien in den Zionisten- und Imperial-Gefängnissen“ stattfinden soll. Auffällig ist auch, dass in der deutschen Version der Einladung von „unserer Pflicht“ gesprochen wird, während es in der arabischen Version schon um „unsere nationale Pflicht“ geht. Wer bei nationalen Pflichten noch nicht aufstoßen musste, sollte dies spätestens beim Blick auf die einladenden Gruppen tun.

Sowohl bei F.O.R. Palestine, als auch HIRAK e.V. ist bei einem einzigen Blick auf ihre Facebookseiten klar, was ihr Ziel ist: das Ende des israelischen Staates als Schutzmacht der Opfer des Antisemitismus. Anders können Grafiken, auf denen das Staatsgebiet Israels und die Palästinensergebiete einheitlich als Palästina subsumiert werden, nicht verstanden werden. Eine weitere einladende Gruppe das Demokratische Komitee Palästina lud im letzten Jahr zur Geburtstagsfeier der Volksfront zur Befreiung Palästinas ein, die mit zahlreichen Entführungen und den Beschuss von israelischen Passagierflugzeugen von sich Reden machte. Dabei kam es durchaus vor, dass die von den Terroristen als jüdisch identifizierten Geiseln heraus „selektiert“ und alle nicht-jüdischen Geisel freigelassen wurden. Unter den Geiseln waren oft auch Überlebende der Shoah.

George Abdallah soll Thema sein, nicht verwunderlich also, dass das Komitee George Abdallah ebenfalls einlädt. Aber wer ist das eigentlich? Seit 1984 sitzt er mit lebenslanger Haftstrafe im französischen Gefängnis, aber interessant ist warum: er wurde des zweifachen Mordes angeklagt. Für den Mord am israelischen Diplomaten Yaakov Bar-Simatov und am amerikanische Militär-Ataché Colonel Charles R. Ray. Nach seiner Festnahme verkündete Abdallah: „I do what I do because of the injustice done to human rights where Palestine is concerned.“ 

Nicht nur zeugt dies von absoluter Blindheit gegenüber Antisemitismus, sondern wird auch die körperliche Unversehrtheit diverser im Südkiez ansässigen Antifaschist*innen gefährdet. Spätestens dann, wenn der mit FOR Palestine eng zusammenarbeitende Jugendwiderstand vor oder nach der Veranstaltung noch einen Spaziergang im Kiez macht. Ein Hausprojekt, dass dies alles in Kauf zu nehmen bereit ist, hat seinen Anspruch emanzipatorisch zu agieren leider verwirkt.

Soweit so furchtbar, doch warum spielt die deutsche Linke so gerne mit bei diesem Spiel arabisch-nationalistischer Antisemit*innen? Warum erlauben sie, dass die aus dem Shoah-Gedenken stammenden Parolen „kein Vergeben – kein Vergessen“ ausgerechnet für das Andenken an Judenmörder verwendet wird? Darauf angesprochen kommt meist zunächst der Verweis es handele sich nicht um Antisemitismus, sondern um Antizionismus. Das heißt, es geht um den Zweck des antiimperialistischen Widerstand und dieser heiligt dann im Zweifel auch die Mittel der Entführung und des Mordes von Juden, weil sie Juden sind. Die Befreiung jedes Individuums spielt dabei eben so wenig ein Rolle, wie die befreite Gesellschaft. Befreit werden sollen nationale Kollektive, die Affirmation der Staatlichkeit inbegriffen.

Antizionismus ist dabei ein der gegenwärtigen nationalstaatlich organisierten Welt angepasster Aggregatzustand des Antisemitismus. Dies gilt im selben Maße, wie der Nationalstaat eine Ausprägung des Kapitalverhältnisses ist. Eine Trennung zwischen Antisemitismus und Antizionismus, wie sie die zahlreichen Akteure der Palästina-Solidarität fordern, ist nur möglich, wenn Staat und Kapital getrennt werden. Wie im Antisemitismus die negativen Aspekte der Akkumulation aufgespalten werden, um sie mittels „raffendem Kapital“ personalisieren zu können und schlussendlich dieses anstelle des Kapitalverhältnisses zu liquidieren, werden im Antizionismus die negativen Aspekte der Staatlichkeit abgespalten und auf den „Juden unter den Staaten“ projiziert – mit derselben ideologischen Funktion. Weil Staat und Kapital notwendigerweise für ihr eigenes Fortbestehen die Spaltung der Menschheit in Herrschende und Beherrschte aufrechterhalten müssen, sich gleichzeitig jedoch vor dem Aufbegehren gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit bewahren müssen, bedürfen sie des Antisemitismus – in welchem Aggregatzustand auch immer.

Antisemitismus fungiert als Synthese, als gemeinschaftsstiftendes Moment in einer vom Antagonismus zwischen Herrschenden und Beherrschten bestimmten Welt. Antisemitismus ermöglicht den Beherrschten die Identifikation mit dem Staat des Kapitals und der Kapitalakkumulation, trotz Gewalt durch Gesetz und Ausbeutung durch Lohnarbeit. Eine Linke, die es mit ihrer Kritik an Staat und Kapital ernst meint, wäre dagegen immun. Eine Linke, die den Antizionismus von Antisemitismus trennt, erteilt jeder Kritik an Staat und Kapital eine brutalstmögliche Absage. Die einzige angebrachte Forderung einer radikalen Linken bezüglich Gefängnissen, wäre deren Abschaffung. Doch um eine radikale Kritik der Gefängnisse als Mittel zur Durchsetzung staatlicher Gewalt kann es einer Bewegung, die eben einen solchen Nationalstaat errichtet möchte, beim besten unterstellten Willen nicht gehen.

Israel ist die jüdische Reaktion auf das falsche bürgerlichen Versprechen und die gescheiterte proletarische Revolution. Es ist ein Staat, der durch das Fortbestehen von Herrschaft in ihrer gegenwärtigen Form, als nationalstaatlich organisierte und Kapital akkumulierende, leider notwendig geworden ist. 

Wir fordern deshalb die K9 auf, umgehend die Veranstaltung abzusagen, die eigenen Veranstaltungskonzepte gründlich zu überdenken und Stellung zu beziehen. Sollte dies nicht passieren, rufen wir alle Antifaschist*innen auf, am Sonntag 14:30 Uhr mit uns gemeinsam vor der K9 sich zu versammeln und diese antisemitischen Veranstaltung nicht unkommentiert zu lassen.

In diesem Sinne,
Antifa means also solidarity with Israel.

 

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