Gedanken zu Antifa und Provinz

Anlässlich der heutigen Mobilisierung gegen das Rechtsrockevent “Eichsfeldtag” möchten wir an folgender Stelle ein paar Worte dazu verlieren, was es heißen sollte heute sich als Antifaschist zu bezeichnen, besonders in der Provinz.

Antifaschismus befindet sich spätestens seit dem von Gerhard Schröder ausgerufenen “Aufstand der Anständigen” im Jahr 2000, in der paradoxen Situation sich immer wieder zwischen staatstragenden Antirechtsaktivismus und selbstzweckhafter Selbstermächtigung zu bewegen.
Je nach Situation bleiben ihm nicht viele Optionen sich sinnhaft einzubringen, ohne zum Selbstzweck zu werden. Wer denkt durch ein paar “Nazis raus” Rufe oder Sitzblockaden ein Neonazifestival verhindern zu können, der hat keinen realitätsnahen Bezug dazu was möglich und sinnvoll ist. Verbote, wie die des Rechtsrockgroßevents in Mattstedt sind nur durch die Ordnungsbehörden möglich und auch diese sind eher Zufall als alles andere.

Antifaschismus muss sich dementsprechend an den vorhandenen Verhältnissen messen lassen und fällt und steigt mit seinem Bezug zu diesen. Wo sich der Antifaschismus der Szene- und Studentenstädten zu einer identitätsstiftenden Freizeitaktivität entwickelt hat, bei denen man sich heldenhaft seine Gesinnung im Kampf gegen die paar übriggebliebenen Proleten beweisen kann, anstatt sich dem politischen Islam und dessen Gehilfen in den Moschee- und Kulturvereinen anzunehmen, ist er in der Provinz durch seine Hilflosigkeit geprägt, aufgrund der Enge des Landlebens, der Verschwiegenheit der Dorfgemeinschaft und deren Wunsch nach der repressiven Idylle.

Gerade in der ländlichen Provinz bleibt Antifaschismus in seinem klassischen Sinne notwendig, da der Aufstand der Anständigen und die Verdrängung der sozial deklassierten aus ehemaligen urbanen Molochen in die Vorstädte, sowie die Verelendung der ländlichen Regionen, in der Provinz nur weiter das Elend und die Verbitterung hervorgekehrt hat. Diese mündet in der falschen Angst vor der Verdrängung und der richtigen Vorahnung der eigenen Überflüssigkeit. Doch muss er sich auch bewusst sein, dass der Kampf gegen Neonazistrukturen ähnlich den bürgerlichen Heimatschützern zugutekommt und muss dies ebenso heftig kritisieren.

Die Reaktion in den Provinzen ist mittlerweile, dass man auch hier eher “Bunt statt braun” sein will, man will auch weltoffen und attraktiv-verwertungsnah sein, wo sich eigentlich der Unmut über die offensichtliche Abgehängtheit weiter breitmacht. Doch bleibt dieser Versuch vor allem besetzt als ein Standortschutz und eine Bewahrung der Idylle, die in letzter Instanz wirkungslos bleiben muss. Das Problem erscheint nicht dringlich, weil es grundlegend falsch ist, sondern weil es die falsche Idylle dort aufdeckt, wo man ihre Störung am liebsten wieder vergessen würde. Neonazis in Thüringen können, trotz ihrer marginalisierte Existenz, ihren verlorener Kampf um die Vernichtung alles “volksfremden” mit einem nicht unbeachtlichen Erfolg fortsetzen. Dass erscheint kaum ein Problem, solange man dem ein konfliktfreies “Bunt statt braun” entgegensetzen kann, dass wenig Einsicht bietet und nicht selten in einen blanken Proletenhass, gegen die minderbemittelten Standortfeinde ausartet.

Die Enge der Provinz verhindert auf doppelte Weise die vernünftige Einsicht in die eigene Lage. Die Unerträglichkeit von sozialer Ausgestoßenheit und Perspektivlosigkeit einerseits und die daraus erwachsenden Gewalt andererseits werden bunt angemalt und sollen dadurch erträglich scheinen. Diejenigen die sich hiergegen positionieren bleiben hilflos zurück oder fliehen in den urbanen Raum. Die Verschwiegenheit des Dorfes soll wieder aufgebaut werden, notfalls auch mit den absurden “Bunt statt Braun” Sprüchen, die nicht nur der Realität aufgrund der homogenen Bevölkerungsschichten fremd sind, sondern auch die eigene Notlage immer wieder verkennen in der sich das Gewaltverhältnis aufbaut.

Antifaschismus kann in dieser Gemengelage nicht die Affirmation des bunten Heimatschutzes sein, er kann aber auch nicht der umstandslose Hass auf die provinziellen Proleten sein, der ähnlich in einer in Affirmation der parteinahen, moralinsauren Standortbeschützer endet. Antifaschismus muss es hier schaffen die radikale Kritik am Bestehenden weiter zu greifen als im allgemein konsensfähigen Kampf gegen Neonazis, der in seiner Radikalität notwendig bleibt, aber eben nicht auf dem Niveau eines Bürgerbündnis stehen bleiben kann um in der Irrelevanz zu enden.

Daher verstehen wir uns notwendig bedacht auf den Kampf gegen Neonazistrukturen, die Allen die offen gegen sie entgegentreten oder einfach nur durch Existenz als unliebsam abgestempelt werden, das Leben zur Hölle macht, aber sehen uns ebenso in der Stellung gegen diejenigen Stellen, die diesen Kampf nur aufnehmen um ihren Standortschutz betreiben zu können und denen die Enge der Dorfgemeinschaft eigentlich behagt. Gleichzeitig forcieren wir die Parteinahme den politischen Islam, der sich nicht nur in Gestalt der seltsamen Salafisten zusammenrottet, sondern in Anzug und ohne Krawatte in Vereinen und Moscheen ihre reaktionäre Ideologie ausbreiten kann und der Stück für Stück das bisschen verbliebene jüdische Leben in Europa unmöglich macht.

Antifaschismus der die Realität der Verhältnisse ernst nimmt muss sich dieser Gemengelage gewahr bleiben oder werden um nicht im wahnhaften und beliebigen Aktivismus zu enden. Hauptsache gegen Rechts gewinnt zwar heute den Applaus von fast allen, bleibt aber wirkungslos. Stattdessen gilt es sich den Rechten, den Linken und den religiös-islamischen Feinden einer möglichen Emanzipation entgegenzustellen.

Für uns heißt das heute den Strukturen einer Neonazirechtsrockindustrie entgegenzutreten. Es heißt aber auch das wir hier nicht stehen bleiben und uns ebenso gegen den politischen Islam und die Verirrungen der wahnhaften Linken stellen werden.

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