Infantile Agitation XVII

Diesen Monat gibt es wieder etwas, was uns daran erinnert, wo wir eigentlich herkommen. Aus einer sich selber als Bewegung begreifenden Szene, welche von zwei starken Extremen geprägt ist. Die einen vergöttern die Arbeit und die Arbeiterklasse mit beinahe protestantisch-messianischer Hingabe, die anderen verdammen die Arbeit und jeden Versuch, den eigenen, als unzumutbar empfundenen Verhältnissen zu entfliehen, als Verrat. Von den ersteren gab es schon manchen zu berichten, nun haben wir die Möglichkeit uns mit den anderen auseinanderzusetzen. Für den Versuch ihrer Sache propagandistisch unter die Arme zu greifen, kann man sich nur herzlich bedanken. Es ist ihnen gelungen, ihrem offensichtlich vulgär-anarchistischen Anspruch vollkommen gerecht zu werden. Der Gedanke, dass die Karriereleiter mit einem Hamsterrad vergleichbar sei, ist so einfallslos wie dumm. Während man vollkommen zurecht argumentieren kann, dass Arbeit, welche sich am Ende des Lohnspektrums befindet, eher einem Hamsterrad gleicht, da es in ihr kein Vorankommen gibt, stellt sich das bei einer Karriere doch etwas anders da. Sie ermöglicht es einem, aus einem WG-Zimmer in die eigene Wohnung zu ziehen und diese Wohnung irgendwann gegen eine größere einzutauschen. Es besteht mit dem Vorankommen die Möglichkeit Urlaub an einem anderen Ort als Balkonien zu machen und man schafft es vermutlich sogar, dass die eigenen Kinder eine Chance auf eine gute Zukunft haben. Anders als beim Hamsterrad, verlässt man bei der Karriereleiter tatsächlich den Käfig. Gegen sie auf die Straße zu gehen, bedeutet gegen die wenigen, die es noch von unten nach oben schaffen zu demonstrieren, anstatt wirkliche Kritik an den Verhältnissen zu üben.

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