Sabotiert Augstein.

Am Sonntag den 16. März 2014 um 10:30 Uhr
Im Filmtheater Union in der Bölschestraße 69, Berlin

Jeder in Deutschland fühlt sich verantwortlich für Schiller, für Goethe und für Beethoven, aber keiner für Himmler. Ein Großteil der Bevölkerung denkt wie Martin Walser. Ende. Zeit, Schluß zu machen, nur noch nach vorne schauen.“ Ignatz Bubis

Nur einer blieb sitzen, im Oktober 1998, bei der Entgegennahme des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche, während der Schriftsteller Martin Walser gegen „Auschwitz“ als „Moralkeule“ wetterte. Als verfolgte Unschuld fühle er sich, lies Walser die versammelte Prominenz wissen, weil kein Tag vergeht, an dem die nationalsozialistischen Verbrechen, „unsere geschichtliche Last, die unvergängliche Schande, sie uns nicht vorgehalten wird„. Er habe das Gefühl, daß oft „nicht mehr das Gedenken, das Nichtvergessendürfen das Motiv ist, sondern die Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken.“ Über tausende Zuhörer applaudierten, stehend. Nur einer blieb sitzen. Ignatz Bubis, der damalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Wie in einem falschen Film. Bubis warf Walser berechtigter Weise „geistige Brandstiftung“ vor. Doch mit seiner Kritik stand er allein auf weiter Flur. Die deutschen Eliten dachten wie der alternde Schriftsteller. Deutschland kam langsam zu sich. Schon im Jahr 1995 entdeckte der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Freimut Duve die „Rampe von Srebrenica„. Deutsche Politiker halluzinierten ein zweites Auschwitz in Jugoslawien. Der bündnisgrüne Außenminister Joschka Fischer sprach 1999 von einem „neuen Auschwitz“ im Kosovo. Im Kriegsfall spricht das kollektive Unbewußte der Deutschen vollends Tacheles. Wenn die Opfer der Nationalsozialisten die selben Verbrechen begehen wie die Nationalsozialisten, verlieren die Taten ihre besondere Scheußlichkeit, wenn man schon den alten Verbündete in Palästina nicht direkt militärisch unter die Arme greifen kann, so dann wenigstens den ehemaligen albanischen Hilfstruppen. Der Clou: Eine einstmals deutsche Tat wird universell, Täter und Opfer beliebig austauschbar. Adolf Hitler wird letztlich international.

Einen Monat vor seinem Tod im Jahre 1999 äußerte sich Ignatz Bubis resigniert über seine Amtszeit als Vorsitzender des Zentralrates der Juden, beinahe gebrochen gab er zu Protokoll: „Ich wollte diese Ausgrenzerei, hier Deutsche, dort Juden, weghaben. Ich habe gedacht, vielleicht schaffst du es, daß die Menschen anders über einander denken, anders miteinander umgehen. Aber, nein, ich habe fast nichts bewegt. Die Mehrheit hat nicht einmal kapiert, worum es mir ging. Wir sind fremd geblieben.“ Auf dem Weg zur neuen deutschen Normalität sind die letzten Nörgler nur noch unnötiger Ballast.

Im Zweifel antisemitisch

Jakob Augstein macht Israel, das meistens als Synonym für die Juden genommen wird, zum Sündenbock für alles. Er läßt den Judenstaat in Anspielung auf die Weisen von Zion nach der Weltherrschaft greifen, Bluttaten verüben, die Welt in den Abgrund reißen und weitere reichlich kuriose Taten vollbringen.“ Rainer Trampert

Jakob Augsteins publizistisches Stahlgewitter ist die Fortsetzung Martin Walsers langjährigen Wirkens mit beinahe denselben Mitteln. Was für Walser Auschwitz war, ist für Augstein Israel. Ein Menetekel. Ein deutsches Menetekel, das man schleunigst hinter sich lassen muß. Es gilt den langen Schatten des Holocaust los zu werden, der deutschen Zukunft willen. Bei Augsteins deutsch-nationalistischen Fantasien dreht es sich „nicht um die Geschichte Deutschlands. Sondern um die Gegenwart der Welt„. Für den nächsten Anlauf deutscher Großmachtsambitionen sieht der Herausgeber der Wochenzeitschrift ‚Der Freitag‘ den ersten Schritt in der vollständigen Emanzipation von den USA und Israel. Ein Kukuckskind sucht neue Eltern.

Die spezielle Verbindung Deutschlands mit den USA und vor allem Israel ist das Resultat des alliierten Sieges über den Nationalsozialismus. Nichts weniger als die vollständige Annullierung der letzten alliierten Auflagen und die Revision der deutschen Israelpolitik ist Augsteins Ziel. Deshalb polemisiert er gegen die deutsche Waffenhilfe für Israel, phantasiert von dem jüdischen Weltfriedenssaboteur und behauptet das „die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband“ führt. Mit Antisemitismus habe dies nicht zu tun, dies sei legitime Israelkritik, bezeugen seine zahlreichen Unterstützer. Dabei unterstellt Augstein pauschal, das allein Israel generell „an Frieden … kein Interesse“ hat. Wirft ihm vor es „brütet“ sich in Gaza „seine eigenen Gegner aus“ und setzt seit Jahrzehnten seine Interessen „ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ durch, ohne auch nur ein Wort über die ständige Bedrohung des Landes zu verlieren.

Augsteins Darstellung von Israel ist von antisemitischen Stereotypen geprägt, beinahe manisch versucht er Israel, und den USA, all die Schuld am Elend dieser Welt zu unterstellen. Unverblümt narzisstisch schwingt sich hier der deutsche Angeklagte, wieder einmal zum Richter über seine Ankläger auf. Nicht nur für ihn gilt das Motto: Wir müssen uns beim Thema Antisemitismus von niemandem belehren lassen, erstrecht nicht vom Simon-Wiesenthal-Zentrum.

Keine Bühne für Antisemiten!

Man muß sich von der Vorstellung lösen, daß Antisemitismus ein normales Vorurteilssystem ist. Der Judenhaß ist Teil des kulturellen Codes vieler Menschen und gehört seit Jahrhunderten ungebrochen zum kommunikativen Gedächtnis der abendländischen Gesellschaft. Dagegen helfen oft weder Bildung noch Intelligenz.“ Monika Schwarz-Friesel

Am Sonntag, den 16. März, will Jakob Augstein im Filmtheater Union in Berlin-Friedrichshagen sein neuestes Propagandawerk mit dem Titel „Sabotage“ vorstellen. Wir sind der Meinung, was einmal in Hannover geklappt hat, kann auch in Berlin funktionieren. Deshalb rufen wir alle zivilgesellschaftlichen, antifaschistischen und antideutschen Einzelpersonen, Gruppen und Initiativen auf, mit allen Mitteln, auf allen Ebenen den Auftritt des Top-Ten-Antisemiten Jakob Augstein zu verhindern.

Antideutsche Aktion Berlin im März 2014

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